Bruce Springsteen Forum

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BeitragVerfasst: 04.11.2020 19:05 
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Ah,Ok....die Alben sollten/müssten also gefallen weil Bruce schon was älter ist und dies womöglich seine letzten sein könnten.


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BeitragVerfasst: 04.11.2020 19:46 
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freehold01 hat geschrieben:
@Andibuss:

Ja der Bruce ist kein audiophiler Mensch. Aber was denkst du sonst über das neue Album?
Muss Springsteen eigentlich audiophil sein oder sein Produzent?


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"Streicht 'n kessen Darm, der Junge!"


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BeitragVerfasst: 04.11.2020 21:31 
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@The River:
Ich glaube der Bruce müßte audiophil sein als Auftraggeber eines neuen Albums. Wenn Herr Gabriel der Rechnungen zahlen würde dann klänge das Album ganz anders. Aber ich denke den Bruce interessiert das garnicht.


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BeitragVerfasst: 05.11.2020 12:20 
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freehold01 hat geschrieben:
@Andibuss:

Ja der Bruce ist kein audiophiler Mensch. Aber was denkst du sonst über das neue Album?


:shock: Hatte ich doch ein paar Posts vorher beschrieben (und auch in den aktuellen Neuigkeiten). Die zweite Hälfte ab "House of a Thousand Guitars" gefällt mir richtig gut. Die erste Hälfte ist eher eine Ansammlung von Songs - kein innerer Zusammenhalt ist spürbar. Das muss m.E. aber ein Album haben, um wirklich gut zu sein (daher werde ich auch nicht Song für Song bewerten). Wenn ich Einzelsongs hören will, höre ich Singles (naja, hätte ich in den 80ern Singles gehört...).


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BeitragVerfasst: 06.11.2020 14:10 
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Grundsätzlich empfinde ich "Letter To You" für ein gelungenes Album. Textlich hat sich Springsteen im Laufe seiner Karriere deutlich verändert. Anfänglich noch recht komplexe Lyrics, sind seine Texte seit einigen Jahren doch ziemlich simpel. Auch der Aufbau seiner Songs sind oftmals recht einfach gehalten, hier und da blitzen noch ein paar unvorhersehbare Facetten und Nuancen auf. Das muss jedoch nicht zwangsweise negativ sein. Wenn man bedenkt, dass das Album darauf ausgelegt ist live im Stadium zu spielen, so ist es nur nachvollziehbar, dass die Struktur und Texte doch recht eingängig sind, damit das Publikum mitsingen und mitgrölen kann.

Was die ewige Diskussion um die Produktion angeht, so ist "Letter To You" deutlich besser als beispielsweise "Magic". Magic ist für mich ein gutes Album, was die Songs als solche angeht, doch war das Album bekanntermaßen ziemlich überproduziert. "Letter To You" ist hier auf einem besseren Niveau, auch wenn ich persönlich eine der 3 Gitarren rausgelassen hätte bzw. nur seltener eingebracht hätte. 2 Gitarren würden definitiv einen deutlich klaren Klang ausmachen. Apropos Gitarren: Teils gute Riffs, aber insgesamt fehlt mir hier und da ein extravagantes Gitarren-Soli. Ich mag Stevie Van Zandt, doch Nils ist der interessantere und bessere Gitarrist. Vllt. habe ich nicht das beste Gehör, doch fehlt mir auf "Letter To You" sein Einfluss komplett. Und bleiben wir mal beim Thema "Fehlen": Patti Scialfas Stimme habe ich nur mit Mühe auf einem Song rausgehört. Das ist für mich etwas mager und schade, wo ich ihre sonderbare Stimme auf ihrem Debut-Album "Rumble Doll" ziemlich beeindruckend fand :!:

Positiv anzumerken ist der Einsatz von Jake Clemmons und das Saxophon. Es kommt erstaunlich oft zum Einsatz, genau so wie die "Orgel" von Charles Giordano. Man merkt, dass das Album nicht nur textlich in Erinnerung an alte Weggefährten schwelgt, sondern auch musikalisch immer wieder Tribut an Clarence Clemmons und Danny Federici stattfindet.

Zudem finde ich die Mischung auf dem Album ziemlich angenehm. Einzig die Setlist finde ich teilweise misslungen. Da sich "Power Of Prayers" und "House Of Thousand Guitars" ziemlich ähnlich klingen, hätte man diese nicht hintereinander aufs Album packen sollen. Auch "Last Man Standing" hätte ich eher an eine andere Stelle gepackt. Diese 3 hintereinander liegenden Songs sind da irgendwie fehl am Platz. Hingegen finde ich den Einstieg mit einem nahezu akustisch eingespielten Song gewagt und gut, genauso das Ende mit "I'll See You In My Dreams". Ein am Ende eines Konzertes passender Song, mit dem die Fans definitiv mit dem einen oder anderen feuchten Auge nach Hause pilgern werden. :wink:

Stimmlich bin ich zwiegespalten. Überwiegend finde ich den Gesang vom Boss gut, doch ich glaube, dass die kurze Einspielzeit des Albums in nur vier Tagen auch stimmlich Spuren hinterlassen haben. Gerade am Ende von "Janey Needs A Shooter" wird seine Stimme sehr brüchig, als würde ihm die Kehle austrocknen und ihm die Luft ausgehen.^^

Ein weiterer Pluspunkt ist die Arbeit von Max Weinberg. Er ist für mich einer der besten Drummer und liefert auf jedem Album von Springsteen ab!

Ich habe das Album einige Male komplett durchgehört und mein Eindruck hat sich im Laufe der Durchläufe etwas gewandelt, was die Songs angeht. "Rainmaker" hat sich für mich erst nach mehrmaligem Hören richtig gemausert. "Janey Needs A Shooter" ist für mich einfach zu lang geraten, doch überzeugen mich die ersten 2/3 des Songs, während das Ende unnötig langgezogen wurde. "Burnin' Train" hat einen guten Drive, ist allerdings von der Produktion her der schlechteste Song, wie ich finde. Irgendwie klingt dieser nach "Letter To You" leiser und zu überproduziert. Besagter Titel-Track erinnert mich irgendwie schon an "Working On A Dream", ist aber für mich der bessere Titel Song. "Ghost" ist für mich aktuell der beste Song. Hier stimmt einfach das Gesamtpaket. Das wunderbare Piano von Roy Bittan in den beiden Songs "Power Of Prayer" und "House Of Thousand Guitars" werten diese noch einmal auf, auch wenn diese rein musikalisch und textlich die schwächeren Nummern des Albums sind. "If I Was A Priest" hat sich ebenfalls erst nach mehrmaligem Hören zu einem Highlight herauskristallisiert :!: "Song For Orphans" finde ich ähnlich wie "Janey Needs A Shooter" etwas zu langatmig.

Fazit: Kurz und knapp möchte ich "Letter To You" 3 1/2 bis 4 von 5 Sterne geben. Es ist ein gelungenes Album, wenn auch etwas weit von einem grandiosen Album entfernt. Es gibt einige Dinge, die ich mir anders gewünscht hätte. Aber ich bin trotzdem froh darüber, dass Springsteen noch einmal mit der E Street Band zusammen aufgenommen und etwas für die Nachwelt geschaffen hat. Das Album hat einiges zu bieten und gerade in dieser doch nervigen Zeit bin ich über jedes neue Album froh, was die Musiker, die ich gerne höre, rausbringen. (u.a. auch Joe Bonamassas "Royal Tea")

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Für alle Instagram-Nutzer, ihr findet mich unter "vinyl_collector91". Stelle dort immer wieder Klassiker der Musik sowie auch Plattengeheimtipps vor. Zudem gibt es hin und wieder Musik-News, die ihr vllt. noch nicht wahrgenommen habt.


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BeitragVerfasst: 06.11.2020 14:45 
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Nach heavy rotation des neuen Albums habe ich sie nun mal bewusst eine Woche beiseite gelegt und gebe mich mal an den Versuch einer Rezension:

One Minute you´re here
Springsteen zunächst ganz alleine, danach setzt die Band sachte ein. Ein typischer Song wie er auch zu den besten vom „Tom Joad“-Album gehören könnte. Ich mag den leisen Springsteen, wenn er denn so ist. Ist der akustische Springsteen vielleicht sogar der beste Springsteen? Top Song, als Einstieg ähnlich leise wie Ain´t got you auf Tunnel of Love.

Letter to you
Ein Song, den man von Springsteen kennt, da er ihn schon ungefähr 100mal geschrieben hat. Allerdings seit 2007 dann doch nicht mehr. Trotzdem packt er mich. Eine einfache Melodie, emotional gesungen. Für mich eine Mischung aus Save my love und Loose Ends. Im Album-Kontext wächst dieser Song für mich noch einmal.

Burnin´Train

Ein richtiger Rocker, Bruce zeigt sich in voller Spiellaune und macht klar, dass auf dieser Platte keine Gefangenen gemacht werden. The Boss is back? Auf jeden Fall. Rhythmisch wird der „train“ im Schlagzeug umgesetzt, die anderen Instrumente springen mit auf, sogar das lang vermisste Saxofon. Hier werden, wie schon im ersten Song oder auch später, alte Metaphern gebraucht: edge of town, churches and jails, hier ist es der train. Er rollt und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

Janey needs a shooter
Rabumms! In die Zeitmaschine und zurück zum Sound der späten siebziger Jahre mit Wörtern so viel wie in seinen Songs aus dem Anfang der siebziger. Der Song hat alles. Geschrieben 1972 vereinigt er alle Stärken Springsteens, wie ich finde. Der mitreißende Gesang, der unglaublich kompakte Sound der E-Street Band, ich könnte ihn stundenlang einfach weitersingen. Springsteen in Reinkultur. Die drei „alten“ Songs stehen für mich auch außerhalb des Albums, sind es doch alle drei Zeitreisen, passen aber gut in den Kontext.

Last man Standing
Da ist er wieder, dieser Rhythmus der Akustik-Gitarre. Gerne genutzt seit man ihn das erste Mal bei Long walk home hörte. Hier merke ich, wie der Song mich packt, diesmal vom Text. Er bleibt meist recht ruhig, Springsteens Stimme erhebt sich nicht bis zum Zerreißen und doch ist da alles drin, was einen (mich) dazu bringt, die Faust in die Luft zu reißen und zu sagen: Ja, wir machen weiter!!!
„Rock of ages lift me somehow. Somewhere high and hard and loud. Somewhere deep into the heart of the crowd“
Für mich DIE Zeilen des Albums, MEINE Zeilen.


Power of prayer
Zunächst dachte ich, Last man standing geht weiter, ein Fehler auf der CD? Dann merke ich, es ist die gleiche Melodieführung wie beim Song davor.
Musikalisch finde ich ihn absolut nicht packend, zu süß, zu seicht. Vergleiche mit Girls in their summer clothes und dem Working on a dream-Album kommen auf. Nix für mich, auch das Klavier erinnert mich eher an Richard Clayderman. Nee.

House of a 1000 guitars
Schon wieder Clayderman-Klavier, schon wieder einfach nach der Melodie gesungen. Zu viele Wiederholungen des Titels, keine Steigerungen. Klar, man stellt sich vor, wenn man nach drei Stunden Konzert im Publikum schwitzend steht und das bei Flutlicht mit 50000 anderen Fans singt…Ok, dann wirkt es vielleicht. Die einzige Anspielung im politischen Kontext: „The Clown steals the throne that he can never own“. Ansonsten eher ein Song zum Vergessen. Und wirklich den beiden Vorgängern wieder sehr nahe, musikalisch. Der Text gefällt mir, irgendwie.

Rainmaker
Springsteen bekommt wieder die Kurve, rockt wieder los. Beginnend mit slide-Gitarre und sich leise steigernd wird Rainmaker allmählich zu einem satten Rocker. Etwas hölzern, unbeholfen…aber es rockt. Springsteen eben, wie man ihn mag und auch nicht mag. Mittendrin eine klitzekleine Reminiszenz an „Darlington County“. Klasse Song

If I was the Priest
Einsteigen Leute, die nächste Fahrt geht rückwärts…
Als Springsteen damals bei Columbia records seine erste Platte fertig stellt meinte einer der Chefs, Clive Davis: „Wenn du nicht aufpasst, hast du bei der zweiten Platte die komplette englische Sprache aufgebraucht“.
Typischer, früher Springsteen mit unglaublich vielen Wörtern, deren Sinn sich mir nicht erschließen und mich trotzdem packen. Ein wenig Lost in the Flood, nur fröhlicher. Stark, ganz stark. Wenn die Mundharmonika eintritt bin ich in Springsteen-land. Vom Musikstil her siehe Janey…

Ghosts
Einfache Rockmusik, zum Mitsingen, zum Mitschreien, zum Tanzen und sich in die Augen schauen und sagen: Schön, dass wir beisammen sind.
Im Stadion sich die Kehle aus dem Hals schreien? Ich bin dabei!!!





Song for Orphans
Jetzt sogar noch ein bisschen weiter die Zeit zurückgedreht. Kommt der Song zwar aus Anfang der siebziger Jahre ist hier der Ursprung bei jemand anderem zu suchen. Genau, Bob Dylan. Die Akkordfolge und Gesangsmelodie hat Dylan sich bestimmt patentieren lassen. Musikalisch gibt es nicht mehr zu sagen, außer dass das ein typischer Dylan Song ist und wie so oft ist die Kopie des Dylans dann doch noch besser als das Original. Springsteen findet seinen Stil…noch nicht, singt aber wie der Boss. Ich höre mir gleich mal Bonde on Blonde an…

I´ll see you in my dreams
Ein schöner Abschluss eines schönen Albums. Simpel, auch schon sehr oft gehört. Aber, mit aufmunternden Worten. „…For death is not the end“ Nein, ist es nicht!!!
Vielleicht ein wenig beliebig, musikalisch. Es ist zu verzeihen.

Fazit:
Springsteen hat endlich wieder ein Springsteen-Album herausgebracht. Mit all den Emotionen, mitreißenden Refrains und einem dynamischen E-Street-Sound. Es ist für mich seit ganz langer Zeit das am besten abgemischte Album. Ähnlich Born in the U.S.A, vom Sound her. Einige Durchhänger und vieles, was man kennt. Für mich muss sich der Boss nicht mehr neu erfinden, aber zumindest sollte er Qualität abliefern. Auf weite Strecken schafft er das auf diesem Album. Ist es besser als magic? Ich würde sagen, homogener.
Die Zeitreisen sind natürlich ein ganz großer Bonus und lassen mich erstaunt, verblüfft und froh zurück. Welcher Künstler lässt solche Songs 50 Jahre liegen? Andere Künstler wären froh, seine „B-seiten“ auf einem ihrer Alben zu haben.
Live werden diese Songs einschlagen, da bin ich mir sicher.

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BeitragVerfasst: 06.11.2020 16:29 
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Sons_Of_Bill hat geschrieben:
Apropos Gitarren: Teils gute Riffs, aber insgesamt fehlt mir hier und da ein extravagantes Gitarren-Soli. Ich mag Stevie Van Zandt, doch Nils ist der interessantere und bessere Gitarrist. Vllt. habe ich nicht das beste Gehör, doch fehlt mir auf "Letter To You" sein Einfluss komplett.


Ja, das sehe ich auch so. Es wäre schön gewesen, wenn Nils mehr Möglichkeiten gehabt hätte, sein Können auszuspielen - allerdings: Wann hatte er das auf einem Springsteen-Album schon einmal. Da ist er halt Teil eines Ganzen und nicht der Solokünstler, wie auf seinen eigenen Alben. Allerdings hätte es nicht geschadet, hier auch sein Gitarrenspiel etwas in den Vordergrund zu rücken. Hat Bruce ja bei Charlie Giordano und vor allem Jake Clemmons auch (sehr positiv) gemacht.


Sons_Of_Bill hat geschrieben:
Ein weiterer Pluspunkt ist die Arbeit von Max Weinberg. Er ist für mich einer der besten Drummer und liefert auf jedem Album von Springsteen ab!


Auch hier gebe ich Dir völlig Recht. Während man bei Ringo Starr und Charlie Watts mittlerweile erkannt zu haben scheint, was sie für ihre eigenen Bands geleistet haben, läuft Max Weinberg m.E. zu Unrecht irgendwie unter ferner liefen. Aber: Max Weinberg gibt einen derart prägnanten Rhythmus vor, dass gerade er den Sound der Band prägt. Auch seine Fills sind stets sehr rhythmisch gestaltet. Wie schwer es ist, einen derart rhythmisch orientierten und "spartanischen" (nicht falsch verstehen, ist positiv gemeint) Drummer zu ersetzen (in irgendeiner Doku hat er mal erzählt, dass er irgendwann die Tendenz entwickelte, immer schneller zu spielen und dann wieder Unterricht genommen hat, weil er Angst hatte, sonst aus der Band zu fliegen oder so), haben z.B. AC/DC schmerzlich erfahren müssen, als sie Phil Rudd ersetzen mussten. Ohne Max wäre die E Street Band nicht das, was sie ist.


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BeitragVerfasst: 07.11.2020 13:23 
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@freehold01

Toller Dreiteiler von Dir.

Ich liebe dieses Album und habe es jetzt schon öfter gehört als irgendein Album der letzten Jahre. (Geht natürlich dank Homeoffice auf einfacher ;-))


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BeitragVerfasst: 07.11.2020 16:28 
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Souldriver73 hat geschrieben:
Fazit:
Springsteen hat endlich wieder ein Springsteen-Album herausgebracht. Mit all den Emotionen, mitreißenden Refrains und einem dynamischen E-Street-Sound. Es ist für mich seit ganz langer Zeit das am besten abgemischte Album. Ähnlich Born in the U.S.A, vom Sound her. Einige Durchhänger und vieles, was man kennt. Für mich muss sich der Boss nicht mehr neu erfinden, aber zumindest sollte er Qualität abliefern. Auf weite Strecken schafft er das auf diesem Album. Ist es besser als magic? Ich würde sagen, homogener.
Die Zeitreisen sind natürlich ein ganz großer Bonus und lassen mich erstaunt, verblüfft und froh zurück. Welcher Künstler lässt solche Songs 50 Jahre liegen? Andere Künstler wären froh, seine „B-seiten“ auf einem ihrer Alben zu haben.
Live werden diese Songs einschlagen, da bin ich mir sicher.


Seh ich ziemlich genauso. Allerdings finde ich auf dem Album noch keinen Durchhänger, keinen wirklich schlechten Song. Aber natürlich sind manche mehr "wow" als andere. Alles in allem stellt für mich das Album auch eine Zeitreise quer durch das Schaffen vom Boss dar.

Ganz anders sehe ich wiederum "House of 1000 guitars". Keine Ahnung warum, aber speziell dieser Song hat mich sofort erreicht. Und in Verbindung mit dem Film gleich noch mehr. Ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. :)

Ach ja, hoffen wir mal, dass wir das auch bald mal live erleben. Und alle gesund bleiben.

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BeitragVerfasst: 15.11.2020 16:06 
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Als Ende des Sommers die Meldung kam, dass Bruce und die E Street Band wieder ein neues Album herausbringen und ebenfalls bekannt wurde, dass sie das Album praktisch live aufgenommen haben, kannte meine Vorfreude kaum Grenzen. Die ersten Reviews nährten diese Erwartungshaltung dann nochmals und was soll ich sagen: Nach den ersten Hörgängen war ich doch etwas enttäuscht. Ich fand das Album zwar in Ordnung, aber der Funke sprang nicht wirklich über, so dass ich es nach einer Woche auch erst mal zur Seite legte. In den letzten Tagen habe ich die Scheibe wieder häufiger aufgelegt und ich kann das Album mittlerweile als gutes Album genießen, das aber auch ein paar Schwachstellen mitbringt.

One Minute You’re Here
Erinnert mich instrumental und stimmlich an „The Ghost Of Tom Joad“ oder „Devils & Dust“ Zeiten. Als Album-Intro durchaus gelungen, wobei mich das Lied emotional nicht so abholt wie ruhigere Lieder auf den Veröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit (bspw. „The Wall“, „The Wrestler“).

Letter To You
So sehr ich den atmosphärischen Einstieg mit der vorherigen Nummer mag und auch „Letter To You“ mit seiner Message als tollen Part einer Albumeröffnung sehe, so seltsam und konstruiert wirkt der Übergang zwischen den beiden Stücken auf mich. Bruce Stimme klingt im Vergleich sehr unterschiedlich und die gesamte Abmischung ist anders. "Letter To You" an sich ist gute Bruce-Standard-Kost. Besonders schön finde ich bei dieser Nummer Charlies Einsatz am Organ. Die Passage bei Minute 3:46 finde ich total gelungen – ein typischer „Bruce-Klick-Moment“ für mich – Feels like coming home. ;)

Burnin‘ Train
Vom Sound dienen hier die Alben „Human Touch“ und „Lucky Town“ als Referenzen, was aus meiner Sicht leider mit einer gewissen musikalischen Einfältigkeit Hand in Hand geht. Der Song hat dank Max kraftvollen Schlagzeug-Spiels einen coolen Drive, aber es passiert nichts Außergewöhnliches wie beispielsweise ein spannendes Solo. Das Lied wirkt so ein wenig, wie ein „gewollter Rock-Song“, dem dann aber doch die letzten Prozent Energie und Rauheit fehlen.

Janey Needs A Shooter
Der erste der drei Tracks, die Bruce bereits Anfang der 70er-Jahre geschrieben hat. Nicht nur textlich äußerst kreativ und wortgewaltig, wie man es vom jungen Bruce kennt, sondern auch musikalisch mit dem Spirit ausgestattet, den ich mir von der Liveaufnahme mit der Band erhofft hatte. Spätestens mit Einsatz der Mundharmonika schaltet die gesamte Band in den höchsten Gang. Stevie (oder Nils) spielt tolle kleine Fills und glänzt mit seinen Backing Vocals. Im Outro zeigen dann Max und Roy ihre ganze Klasse.

Last Man Standing
Thematisch ist der Song nah dran an der Single „Ghosts“ und ich finde diesen Track sehr gelungen. Der einsame, nachdenkliche Bruce, der während des Intros nur mit Akustikgitarre singt: „Faded pictures in an old scrapbook / Faded pictures that somebody took / When you were hard and young and proud / Back against the wall running raw and loud”. Das ist wieder so ein Part, den nur Bruce so bringen kann wie Bruce. :) Insgesamt hat dieser Track einen schönen Aufbau und eine tolle Melodie. Auch wenn das Lied seinen Ursprung im Tod der anderen ehemaligen Bandmitglieder seiner Schülerband „The Castiles“ hat, ist der starke Saxophone-Einsatz hier vermutlich kein Zufall und schlägt aus meiner Sicht auch nochmal die Brücke zu Clarence.

The Power Of Prayer
Sprach man nicht im Vorfeld von einem Rock-Album mit der E Street Band? ;) Für „Power” im Titel kommt der Song recht seicht und beliebig daher. Vielleicht ist das ja Power-Pop? ;) Der Text ist teilweise schön geschrieben, holt mich aber leider nicht ab. Zudem stört mich die extreme Ähnlichkeit zu der (schönen) Melodie von „Last Man Standing“. Back to back wirkt das dann doch etwas einfallslos.

House Of A Thousand Guitars
Ein schönes Ablenkungsmanöver einen Song mit solch einem Titel mit einem ausgedehnten Piano-Intro zu starten, welches dann auch noch mit einigen Jungleland-Referenzen gespickt ist. Emotional fällt der Song natürlich auf fruchtbaren Boden und wärmt das Herz, wenn man sich in Gedanken in hoffentlich ein, zwei Jahren wieder auf Konzerten sieht. Neben dieser hoffnungsvollen Melancholie muss man aber auch festhalten: Musikalisch ist der Song leider recht unspektakulär. Vielleicht hätte ein schönes, melodisches Gitarren-Solo am Ende den Song auf ein anderes Level gehoben?

Rainmaker
Dieser Song klingt für mich nach einer anderen Aufnahme-Session. Irgendwie sprang mich direkt beim ersten Hören der Gedanke nach „The Rising“ an. Ich habe den Doku-Film zu den Aufnahmesessions nicht gesehen. Aber kam „Rainmaker“ im Film vor? Vielleicht kann ein Insider mal berichten. ;) Bruce Stimme gefällt mir hier sehr gut und der Song hat viel Kraft im Refrain, welche den vorherigen Songs teilweise etwas abging. Auch die Metaphorik finde ich sehr gelungen.

If I Was A Priest
Mein Favorit der Platte. Band und Bruce verschmelzen hier in Perfektion. Jede gespielte Note untermalt Bruce Gesang während er eine ziemliche abgedrehte Szenerie beschreibt: "And Jesus is standing in the doorway / In a buckskin jacket, boots and spurs so fine / Says, "We need you, son, tonight up in Dodge City / 'Cause there's just too many outlaws / Tryin' to work the same line". Auch in diesem Song glänzen Roy und Max wieder auf besondere Weise. Ebenfalls ein schöner Moment ist, als die Band im Chor für die letzten Refrains mit einsteigt.

Ghosts
Ein weiterer Kracher und fungiert im direkten Übergang mit dem „alten Material“ deutlich besser als die Songs zu Beginn des Albums. Dies liegt vermutlich daran, dass „Ghosts“ von den neuen Songs der Energiegeladeneste ist. Noch besser als zuvor bei „Last Man Standing“ funktioniert die Verbindung zwischen Melancholie und Energie. Ein echter E Street Band Song und mit Garantie ein Dauergast in zukünftigen Setlists.

Song For Ophrans
Von den alten Songs, der Song, der mich aktuell am wenigsten fesselt. Auch hier ist Bruce wieder wortgewaltig unterwegs und es drängt sich der Vergleich zu Bob Dylan auf. Der instrumentale Mittelpart weiß zu gefallen.

I’lL See You In My Dreams
„I’ll See You In My Dreams“ bildet mit “One Minute You’re Here“ einen schönen Rahmen für das Album und führt den inhaltlichen Faden von dem Opening Track über „Letter To You“, „Last Man Standing“ und „Ghosts“ zu Ende. Ein schöner, hoffnungsvoller Ausklang des Albums.

Insgesamt ist es ein gutes Album geworden und ich war vielleicht selber ein wenig schuld mit zu hohen Erwartungen an die Scheibe heran gegangen zu sein (Anfängerfehler ;)). Für mich kommt bis zu „Last Man Standing“ wenig Spielfluss auf und das Album wirkt ziemlich zusammengeschustert. Seltsamerweise sind dann gerade die folgenden neuen Songs „Last Man Standing“, „The Power Of Prayer“ und „House Of A Thousand Guitars“ von ihrer Machart her fast schon wieder zu ähnlich und wenig abwechslungsreich. Vielleicht war die Zeit fürs Schreiben der neuen Songs (eine Woche) und für die Aufnahmen (fünf Tage) doch etwas zu kurz gewählt.
Einer der Hauptgründe für meine etwas gedämpfte Euphorie dürfte allerdings auch sein, dass die Platte für mich überraschenderweise keinen guten Sound hat. Durch die „Wildflowers“-Wiederveröffentlichung von Tom Petty, die einen überragenden Klang hat, hatte ich auch hier mit einem ähnlichen Klangerlebnis gerechnet. Leider zeichnet sich das Album durch wenig Dynamik und so gut wie keine Räumlichkeit aus (Andibuss hat das hier im Forum bereits sehr gut beschrieben). Ich dachte im Vorfeld etwas naiv: "Just in dem Moment, in dem ich mir einen Plattenspieler anschaffe, veröffentlicht Bruce ein live eingespieltes Album mit der E Street Band – das muss gut werden." Wurde es leider in diesem Aspekt nicht.
Was mir viel Freude bereitet, ist wie sehr Roy Bittan und Max Weinberg auf diesem Album aufspielen dürfen. Gerade Mighty Max finde ich überragend auf diesem Album. Er hält die Songs zusammen und spielt zeitgleich sehr schöne Nuancen. Auf der anderen Seite muss man aber auch fragen, wo Nils Lofgren teilweise abgeblieben ist. Er ist aus meiner Sicht das einzige Bandmitglied, das fast gänzlich unbemerkt auf der Platte mitspielt, was aufgrund seiner phänomenalen Fähigkeiten sehr schade ist.
Nochmal sei betont, dass es unterm Strich eine gute Scheibe geworden ist und ich sehr froh über die Veröffentlichung bin. Insbesondere mit „If I Was A Priest“ und „Ghosts“ sind zwei echte Knaller vom Laster gefallen, mit denen und insbesondere deren Energie man im Spätherbst der Karriere nicht unbedingt rechnen kann.

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BeitragVerfasst: 15.11.2020 16:32 
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@Matthes:

Danke für die Rezension, die ich fast 1:1 unterschreiben kann. Einzig meine Bewertung von Burning Train fällt positiver aus.

Vielleicht kennst Du meine Rezension auf Amazon, Du wirst einige Deiner Kritikpunkte dort wiederfinden, vor allem was den Mittelteil des Albums angeht von Last Man Standing über Power bis House... . Die Reihenfolge ist nicht gelungen. Mein Vorschlag wäre, Power mit Orphans zu tauschen. Dann würde die Ähnlichkeit dieser drei Songs nicht so auffallen.

Zu Deiner Frage zu Rainmaker: Der Song kommt in der Doku nicht vor, was auch mich zu der Vermutung bringt, dass der Song deutlich früher aufgenommen wurde. Und ja, auch für mich klingt der Song stark nach „The Rising-Zeiten“.

Insgesamt würde ich dem Album heute gute vier Sterne geben.


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BeitragVerfasst: 20.11.2020 12:54 
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Das Album ist grandios, ich höre es seit der Veröffentlichung jeden Tag im Auto.

Zwei Ähnlichkeiten sind mir aufgefallen:

Janey needs a shooter
hat im Refrain doch sehr viel Ähnlichkeit mit Darkness on the edge of town, oder etwas mit Atlantic City.
Hier sieht man einfach seinen alten Songwriting-Stil aus der Zeit. Super Song, aber vielleicht wurde
er wegen dieser Ähnlichkeit auch damals nicht veröffentlicht.

Song for Orphans
die Gesangsmelodie ähnelt am Anfang dem Anfang von "For you" und dann enorm "My back pages" von Bob Dylan.
Nicht schlimm, aber doch auffällig. Auch hier hört man, aus welcher Zeit seines Schaffens es eben stammt und
damals war Dylan sicher auch ein großer Einfluss.

In alten Outtakes und Demos auf den Box-Sets, Bootlegs usw hört man bei Bruce in der Entstehungsphase ja oft Melodien und Textfetzen, die man dann später in völlig anderen Songs in den finalen Fassungen wieder findet. Das ist sehr interessant, Text- und Kompositionsteile werden hin- und hergetauscht und man bekommt einen guten Eindruck, wie die Songs entstanden sind und alles Stück für Stück an seinen Platz rutscht.

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